Archiv der Kategorie: 2020

Online-Votragreihe aus Jena

NIKA Jena und die Sozialistische Jugend – Die Falken Jena organisieren ab 19.05. eine Online-Vortragsreihe anlässlich der Demo am 06.06.!

Wir freuen uns über diesen mega Support. Also schnappt euch alle Eure Kalender, tragt die Termine ein, sagt euren Genoss*innen, Freund*innen und Mitbewohner*innen Bescheid;  schaltet euch dazu (QR-Code findet ihr auf dem Flyer) und diskutiert mit. Es wird um die Themen Abtreibungsgegner*innen und deren Verknüpfungen nach rechts, Fundamentalismus, Familismus und vieles mehr gehen. Eingeladen sind Kirsten Achtelik, Gisela Notz, Andreas Kemper und Aktivist*innen aus Jena. 

Abtreibungsgeschichte #15

Ich war Schwanger. Krass, wenn ich es jetzt hier so schreibe, steigen mir einerseits direkt Tränen in die Augen und andererseits erscheint es mir wie das Unwirklichste der Welt. Zu sagen, „Ich war Schwanger“. Fast so als würde ich von einer Reise erzählen. „Hey, ich war letzten Monat übrigens in Schweden, ja war nett, würd ich mal wieder machen, danke der Nachfrage!“ Nur, dass Gespräche über die Schwangerschaft meistens anders verlaufen. Wenn mensch* nämlich sagt, er*sie „war schwanger“ und aber kein Baby dabei hat und ja ganz offensichtlich nicht mehr schwanger ist und nicht über Elternschaft oder sowas reden kann, impliziert das ja quasi, dass mit der Schwangerschaft irgendwas „schief gelaufen“ sein muss. Und dann werden Menschen verhalten. Weil entweder bedeutet das, eine Fehlgeburt erlitten zu haben, oder sich eben für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden zu haben. Und egal welches der Beiden zutrifft, es ist ein Tabu! Weiterlesen

Abtreibungsgeschichte #14

meine abtreibung liegt mittlerweile 16 jahre zurück, nun bin ich ein
zweites mal und dieses mal gewollt schwanger.
ich habe viele jahre unbewusst, irgendwann auch bewusst gestruggelt mit
dieser erfahrung und seit vielleicht 2 oder 3 jahren fühle ich mich „frei“ von
vorher manchmal überwältigenden emotionen, die meine erinnerungen
begleitet hatten. Weiterlesen

Ginverkostung 2020

Am 10. Mai werden wir uns gutem Gin und den Möglichkeiten Schwangerschaftsabbrüche, in unserer näheren Umgebung, durchführen zu lassen widmen. Seit dabei wenn es in eine neue Runde Ginverkostung geht.

Mehr Infos folgen zeitnah.

Abtreibungsgeschichte #13: Entscheidet für euch selbst

Hallo!
In den nächsten Zeilen möchte ich euch teilhaben lassen an meinen Erfahrungen und meiner ganz persönlichen Geschichte zum Thema Abtreibung, in der Hoffnung, anderen Menschen Mut zu machen und etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen.

Ich bin eine 28-jährige angehende Lehrerin aus Niederbayern. Vor knapp 5 Jahren, im Oktober 2015, habe ich meine ungewollte Schwangerschaft beendet. Ich bin frisch aus meinem Auslandsaufenthalt gekommen und habe sofort meinen Freund in meiner Heimatstadt kennengelernt. Damals waren wir gerade einmal zwei Monate zusammen, als ich erfahren habe, dass ich von ihm schwanger bin. Ich erinnere mich an diesen Morgen, als wäre es gestern gewesen. Ich war zu Besuch bei meiner Mutter. Sie war in der Arbeit und ich hatte deswegen meine Ruhe. Da ich bereits seit einigen Tagen ziemlich starke Anzeichen für eine Schwangerschaft hatte, habe ich mir das billige Testdoppelpack aus dem DM gekauft. Ich hatte seit Tagen mit Brustschmerzen, schlechter Laune und einem wahnsinnig empfindlichen Magen und Geruchssinn zu kämpfen. Ich war seit Jahren absoluter Kaffeejunkie, wenn ich zu der Zeit aber bloß den kleinsten Kaffeegeruch vernahm, musste ich mich fast übergeben. Ich verstehe auch nicht, wie es schwangere Raucherinnen geben kann. Ich selbst habe leider ebenfalls diese schlechte Angewohnheit, konnte mich zu dieser Zeit aber nicht mal mehr nur in die Nähe einer angezündeten Zigarette begeben, da ich mich ebenfalls jedes Mal fast übergeben musste. Da ich auch einen eher schlechten Zyklus habe und das Ausbleiben meiner Periode keine Seltenheit ist, habe ich mich über dieses Ausbleiben nicht gewundert. Verhütet haben wir in der Anfangszeit nur mit Kondomen. Dabei ist anscheinend etwas schief gelaufen. Der Test bestätigte meine Vermutung, der zweite Test ebenfalls. In diesem Moment schoss mir das Adrenalin in meine Blutbahn und ich war erstaunlich klar im Kopf. Mein erster Gedanke war: “Ich werde dieses Kind nicht austragen!! Ich will dieses Kind nicht! Ich will diese Schwangerschaft nicht!” Weiterlesen

Abtreibungsgeschichte # 12: Eigentlich denke ich fast nie daran und ich hätte es wahrscheinlich irgendwann vergessen, aber es gibt einen Menschen der mich immer wieder dran denken lässt.

Meine Geschichte

Ich war mir ziemlich früh in meinem Leben sicher darüber, dass ich keine Kinder in die Welt setzen wollte. Am Anfang war dieser Gedanke eher bestimmt von dem Bedürfnis, sich gegenüber Geschlechterrollen, die sich damit zwangsweise verbanden, abzugrenzen. Ich fand auch diese ganzen körperlichen Veränderungen, die ich nicht hätte kontrollieren können immer eine unangenehme Vorstellung. Später verdichteten sich meine Beweggründe, die meine persönlichen Erfahrungen und die gesellschaftlichen Zuständen zu komplexen Gedanken vernetzten. Ich habe viel gekämpft und tue es noch immer, um in meinem Leben klarzukommen. Nicht dass ich eine besonders schwierige Kindheit, Jugend oder Erwachsenenleben gehabt hätte und habe, aber es sind so viele Dinge, die mich prägen, die ich abschütteln will, die ich nicht so machen will wie Andere, wie ich selber, wie meine Familie – Verhaltensweisen, Rollenbilder, Muster, diese strukturellen Dinge, die mich in den Wahnsinn treiben, wenn ich sie einmal durchschaut habe. Das ständige Messen an den eigenen Ansprüchen, geformt aus viel theoretischem Wissen, aber auch Ausprobieren, Diskussionen mit Freund*innen, positive aber auch viele negative Erfahrungen in politischen Gruppen und dem sozialen Umfeld, sind für mich wichtig, auch um zu wissen, wo ich stehe. Mit all diesen Gedanken und der alltäglichen Realität, in der wir leben, wollte ich keine Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen, das mit genau all diesen Dingen kämpfen muss. Es ist schwer für mich all diese Widersprüche, in denen ich lebe, auszuhalten. Ich wurde nie gefragt, auf dieser Welt zu sein, aber alle wissen besser, wie ich sein soll. Das möchte ich nicht gegenüber einem Menschen verantworten wollen. Weiterlesen

Abtreibungsgeschichte #11: Ich wurde ungewollt, aber dennoch provoziert schwanger.

Mein Abbruch (mir gefällt der Begriff besser als Abtreibung) liegt 3 Jahre zurück. Im März 2017 wurde ich ungewollt, aber dennoch provoziert schwanger. Ich hatte Anfang 2017 meine Pille abgesetzt und war auf dem tripp, auf natürliche Weise verhüten zu wollen. Ich wusste aber nicht, dass das so schnell schief gehen kann.

Mein Freund (Heute mein Mann) und ich hatten erst mit Kondom Sex, ich empfand es aber als sehr unangenehm und war nach mehreren Malen der Überzeugung zu wissen, wie mein Zyklus rhythmisiert ist und schlug vor, es ohne Kondom zu versuchen. Er willigte ein. Ein paar Tage darauf hatte ich morgens nach dem Aufstehen ein seltsames Gefühl. Ich wusste, ich hätte meine Tage um diese Zeit etwa kriegen müssen. Aber meine Brüste taten weh. Mein Unterbauch war straff und hart. Eine Kollegin hatte Tage zuvor von genau diesen Symptomen erzählt und kurz darauf bestätigt bekommen endlich schwanger zu sein. Hätte sie nichts erzählt, wäre ich nicht direkt alarmiert gewesen. Weiterlesen

Abtreibungsgeschichte #10: Schwangerschaftskonfliktberatung?

Das Kollektiv KINOKAS aka das queer-feministische Mellie Pink Ensemble hat im Dokumentarfilmprojekt „Interruptio“ (Arbeitstitel) die Debatte um Paragraphen 218 und 219a als Ausgangspunkt genommen und sich mit dem Thema reproduktiver Rechte und Gerechtigkeit im heutigen Deutschland auseinandergesetzt. Hier erfahrt ihr mehr darüber.

Die Voicemail, die wir hier hören, wurde von einer Person während ihrer ungewollten Schwangerschaft aufgenommen, die für das neue Filmprojekt des Kollektivs interviewt wurde. 

(Ihr müsstet den Ton etwas lauter drehen)

Online-Vortrag “Incels” von Veronika Kracher

Was ist eine „Stacy”? Und ein „Chad”? Was bedeuten Begriffe wie „Roastie”, „blackpill”, „Wristcel”, „looksmaxing” und „Femoid”?

Es handelt sich hier um den Code der sogenannten Incel-Subkultur, ein misogyner Online-Todeskult, der seit 2018 in den Blick der Öffentlichkeit geraten ist. „Incel” ist die Kurzform für „Involuntary Celibate”- unfreiwillig im Zölibat lebende. Denn dieses jedoch nur scheinbar unfreiwillige Zölibat konstituiert die komplette Identität dieser frustrierten jungen Männer.

Im April 2018 fuhr der Kanadier Alek Minassian mit dem Auto in eine Menschenmenge, um Rache dafür zu nehmen, dass er immer noch keinen Sex gehabt hatte. Sein Vorbild war Elliot Rodger, Held der Incels, der 2014 sechs Menschen tötete, 13 weitere verletzte, und ein über hundert Seiten langes Manifest hinterließ, das zum Manifest der Incel-Bewegung wurde.

Frauen würden einem Sex schulden, und müssen dafür bestraft werden, dass sie diesen verweigern, so der Tenor. Dass Frauenhass, Antisemitismus, Rassismus und die selbstgefällige Anspruchshaltung, man hätte allein seines Geschlechts wegen schon Sex verdient, Schuld daran tragen, dass die sich in der Alt-Right verortenden Incels in der Partnerinnenwahl versagen, wird vehement geleugnet.
Denn so wie man Frauen hasst, hasst man als Incel auch sich selbst: Incels hängen dem fatalistischen Glauben an, sie seien aufgrund der eigenen Hässlichkeit ohnehin determiniert, für immer ein Dasein als ungeliebter Einzelgänger zu fristen – Frauen seien schließlich alles oberflächliche Schlampen. Denn es gibt kaum etwas was der Incel mehr verabscheut als selbstbestimmte weibliche Sexualität.
Als Ventil für den eigenen Frust scheint das Internet. In Foren tauscht man sich mit Gleichgesinnten über die Verkommenheit von als „Femoids” dehumanisierten Frauen aus, ergießt sich in Vergewaltigungs- und Mordfantasien, und bestätigt sich gegenseitig, dass man Abschaum sei, denn: Selbst- als auch Frauenhass bestimmen das komplette Dasein der Incels.

Diese permanente, aber nur vermeintliche Kränkung ist dem Incel untragbar, und muss so ihre Wiedergutmachung im Terror gegen Frauen finden , wie Männer wie Rodger, Minassian, oder Scott P. Beierle beweisen.
Doch Incels sind keine „schwarzen Schafe”, sondern ihre Ideologie ist in patriarchalen Verhältnissen verwurzelt: der Glaube auf das Recht auf den weiblichen Leib, als auch die Abwertung von Frauen und deren selbstbestimmter weiblicher Sexualität sind auch außerhalb von Incel-Foren hinaus weit verbreitet.

Die Journalistin Veronika Kracher (Jungle World, Konkret) beschäftigt sich seit ungefähr einem Jahr intensiv mit der Incel-Subkultur. In diesem Vortrag wird sie anhand sozialpsychologischer Analysen, als auch hermeneutischer Textarbeit, die Ideologie der wohl toxischsten aller männerbündischen Gruppen analysieren und erklären.

Content Warning: In dem Vortrag werden Misogynie und sexuelle Gewalt (auch gegen Kinder), Femizide, als auch Rassismus, Antisemitismus, Homo- und Transfeindlichkeit behandelt.

Der Link zum Livestream folgt in Kürze.

Abtreibungsgeschichte #9: Die Uhr tickt

Die Uhr tickt.
War heute arbeiten. Meine Periode blieb aus. Habe schlecht geschlafen.
Bin auf dem Weg zur Arbeit bei der Apotheke vorbeigefahren,
nahm mir dort einen Schwangerschaftstest mit.
Hab den Test in der Mittagspause gemacht.
Er ist positiv.

Die Uhr tickt.
Meine Gedanken rasen, wem soll ich es sagen? Kann ich es überhaupt
wagen?
Mein Arbeitskollege fragt, ob alles gut sei.
Ich nicke, lächle und tue so als wäre nichts.

Die Uhr tickt.
Endlich fertig mit der Arbeit, gehe heim.
Zu Hause angekommen bin ich alleine, stelle mir tausend Fragen;
Kann ich mir ein Kind leisten?
Möchte ich ein Kind und wie wird sich mein Leben dadurch verändern?
Wird mich mein Umfeld unterstützen?
Wie wird der Vater des Kindes reagieren?
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