Abtreibungsgeschichte #5 – Ich habe Verantwortung mit dieser Entscheidung übernommen.

In meinem privaten Umfeld wissen die meisten, dass ich damals abgetrieben habe. Ich habe immer hinter dieser Entscheidung gestanden und würde definitiv genauso handeln, wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte. Allerdings würde ich anders handeln, wenn ich sie noch weiter zurückdrehen könnte. Nämlich zu jenem Abend, an dem ich schwanger geworden war.

Damals war ich gerade mal neunzehn Jahre alt, arbeitete als AuPair in den USA und meine Gastfamilie machte mal wieder ohne mich Urlaub – diesmal in Disneyworld. „Wir dachten, du magst sowas nicht“, waren die Worte, die sagten, dass sie mich nicht dabei haben wollten.
Mein Ami und ich hatten einen romantischen Abend, er war erst mein zweiter Freund gewesen, ich war an Unsicherheit und Unerfahrenheit kaum zu überbieten gewesen. Ich hatte damals ständig Streit mit meiner Gastmutter, weil ich in ihren Augen nichts richtig machen konnte. Als sie dann anrief, führte ich ein schwieriges Gespräch, weil sie nicht wissen durfte, dass ich Besuch hatte, während mein Freund einfach weitermachte. Ungeschützt. Weiterlesen

Die zweite Geschichte – “Ich spürte viel Liebe und keinen Vorwurf.”

Es wäre mein drittes Kind gewesen. Alle ungeplant. Alle im Rythmus von drei Jahren. Wie meine große Schwester ihre drei Kinder bekommen hat. Das dritte Kind nun von einer neuen Beziehung. Neue Abhängigkeiten nachdem es so schwer und schmerzlich war, aus den alten heraus zu kommen. Der Vater meiner Kinder mit drei Diplomen. Aber häusliche Gewalt geht durch alle gesellschaftlichen Schichten und niemand ist davor gefeit. Vor allem, weil darüber nicht geredet wird, sich Freundinnen bei Kaffee und Kuchen trösten und sich beistehen, das auszuhalten. Ich fände es fast viel wichtiger, über häusliche Gewalt das Schweigen zu brechen, als über Schwangerschaftsabbrüche… Und nun wieder ein Kind? Jetzt? Wo meine Selbstbestimmung, meine sexuelle Freiheit, mein Leben wieder los geht? Weiterlesen

Unemotional. – Die erste Abtreibungsgeschichte

Die Kartenrückseite:

“Liebe Alle,

Ja ich habe abgetrieben, aber es beschäftigt mich nicht sonderlich. Ich habe weder Gewissensbisse, noch fühle ich mich besonders befreit. Vielleicht bin ich zu wenig kämpferisch, vielleicht sehe ich zu wenig das emanzipatorische Moment der Abtreibung. Aber so sieht es in mir aus. Es war für mich ein medizinischer Eingriff, und genauso emotional oder unemotional begegne ich diesem Thema.
Daher kann und will ich auch gar keine langen Worte darüber verlieren. Für viele mag das unverständlich, ja töricht klingen, doch genauso ist es für mich.

Doch in einem werde ich emotional, wenn es darum geht, dass Abtreibungen bis heute kriminalisiert und die Personen stigmatisiert werden. Wenn die Entscheidung darüber, wie ich mich fühle nicht bei mir, sondern bei anderen liegt, ja dann werde ich wütend.

Lasst uns gemeinsam kämpfen.
Nieder mit §218
Solidarische Grüße
V.

Einen Überblick über alle Geschichten erhaltet ihr auf diesem Blog.

Let´s Break the Silence! Lasst uns das Schweigen brechen!

Jeden Tag finden Schwangerschaftabbrüche statt. Jedes Jahr treiben Millionen Menschen weltweit ab und werden niemals über diese Erfahrung sprechen. Denn: sich bewusst für einen Abbruch der Schwangerschaft zu entscheiden, ist noch immer vielerorts verpöhnt, geächtet, bewertet. Menschen werden dafür ausgegrenzt, beschämt, verurteilt und bestraft.
Es wird geschwiegen.

Wir sagen: genug! Lasst uns gemeinsam das Schweigen brechen und über unsere Erfahrungen sprechen. Lasst uns die Erfahrungen so selbstverständlich mit Anderen teilen, wie es die Entscheidung für Abtreibung sein sollte. Lasst uns Scham, Schuld, Stigma und Verurteilung abschaffen.

Unsere Entscheidungen sind klar!
Es sind unsere Körper und unsere Leben! Und unsere Gründe und Geschichten sind so vielfältig wie wir.

Erzählt uns vom Prozedere, wie es für euch war. Und wie es euch dabei ging. Was war zum Kotzen? Zum Verzweifeln? Wer und/oder was hat sich euch in den Weg gestellt? Eure Entscheidung bewertet? Verunsichert? …gestärkt? Was hat euch Kraft gegeben? Wer und/oder was war wichtig? Wer war da? Wie stehst du heute dazu? Wofür müssen wir uns stark machen? Was muss sich ändern? Was muss mitgedacht werden?

Gestaltet dafür eine Postkarte oder macht ein Foto von euch mit eurem Statement. Schickt uns Videoclips, Audiobeiträge. Schickt uns Briefe. Schickt uns euren Text.

Lasst uns mit Schweigen und Stigma brechen!

#noStigma# #MyLifeMyChoice# #proChoice #myabortionmychoice

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Deine Geschichte wird hier und auf Instagram veröffentlicht. Bei Audiodateien nutzen wir zudem noch Mixcloud. Gerne kannst du uns ein Bild mitschicken, oder einen Satz bzw. Wort hervorheben, falls wir daraus ein Bild erstellen sollen.

Am einfachsten ist es wenn du uns über unsere Emailadresse kontaktierst:
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Leben schützen! Abtreibung legalisieren! – Für eine feministische Praxis!

Seit 2010 versammeln sich Abtreibungsgegner*innen zu einem sogenannten “Schweigemarsch für das Leben” in Annaberg-Buchholz.

Die Veranstaltung wird aktuell vom Verein “Lebensrecht Sachsen e.V.” organisiert. Der Schweigemarsch ist ein Sammelbecken für Personen und Organisationen, die Nationalismus, Sexismus und feindliche Einstellungen gegenüber Frauen, homosexuellen Menschen sowie trans-, inter*-, und nicht binären Personen verbreiten.

Eines ihrer Hauptziele ist das absolute Verbot von Abtreibung, ohne die Möglichkeit auf Ausnahmen, sowie ein weiteres Bestehen des Verbots von Sterbehilfe.

Aufgrund restriktiver Gesetze haben jährlich ca. 22 Millionen ungewollt Schwangere weltweit keinen Zugang zu einem sicheren, legalen Schwangerschaftsabbruch. Jedes Jahr sterben ca. 47.000 schwangere Personen an den Folgen von unsicher durchgeführten Schwangerschaftsabbrüchen. Unzählige weitere leiden unter gesundheitlichen Folgen oder juristischer Verfolgung.

Daher sind Abtreibungsgegner*innen nicht für das Leben. Denn wer das Leben von Menschen, schützen will, die eine Schwangerschaft beenden möchten, muss Abtreibungen legalisieren! Diese Legalisierung ist auch in Deutschland nicht erreicht.

Wir kämpfen für ein selbstbestimmtes Leben und deshalb fordern wir:
* Die Abschaffung von § 218 StGB! Abtreibungen müssen legal, kostenlos und sicher sein!
* Informationsfreiheit umsetzen! Es muss möglich sein, öffentlich über Abtreibungsmöglichkeiten aufzuklären! §219a StGB abschaffen!
* Aufklärung und Abtreibung ermöglichen! Lokale Beratungsstellen und medizinische Einrichtungen für die Eingriffe müssen bundesweit vorhanden sein.
* Inklusion leben! Für eine Gesellschaft, in der es keine Rolle spielt, ob ein Kind mit oder ohne Behinderung auf die Welt kommt!
* Die Gleichberechtigung aller sexuellen Lebensweisen und geschlechtlichen Identitäten!
* Einen weltweiten kostenlosen Zugang zu Aufklärung über den menschlichen Körper und Sexualität, sowie Verhütungsmitteln!

Und ganz aktuell, wo für die Bekämpfung der Corona-Pandemie die Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird, darf dies nicht auch noch zur Einschränkung von Reproduktiven Rechten führen. Wir fordern daher:

* Die Abschaffung der Zwangsberatung – in Zeiten von Corona und auch sonst!
* Einreisemöglichkeit für Menschen, die für eine sichere Abtreibung nach Deutschland fahren – die Grenzschließungen wegen Corona müssen in diesem Fall außer Kraft gesetzt werden!
* Abtreibungen sind wichtige medizinische Eingriffe und dürfen auch in Zeiten von Corona nicht abgelehnt werden!

Kommt mit uns am 06.06.2020 zur Demonstration nach Annaberg-Buchholz! Fundis und Rechten den Tag versauen!