Safe Abortion Day 2021 in Dresden zum nachlesen und nachhören

Bundesweit stand der Safe Abortion Day  in diesem Jahr unter dem Motto „150 Jahre Widerstand gegen § 218 – es reicht“. 2021 begeht dieser deutsche Strafrechtsparagraph tatsächlich sein 150-jähriges Jubiläum.  Auch wir finden: 150 Jahre sind 150 Jahre zuviel – es muss endlich Schluss sein mit der Kriminalisierung! Es ist höchste Zeit, etwas an der prekären Situation für ungewollt Schwangere zu ändern: Der Schwangerschaftsabbruch muss neu geregelt werden! 

Dafür riefen wir gemeinsam mit ProFamilia Sachsen zur Kundgebung auf und wurden mit Infoständen von Pro Familia und dem Melisse Projekt, KritMed* DD, vom Malobeo mit Zines, dem Frauen- und Mädchen-Gesundheitszentrum Medea e.V., dem sowieso* Frauen für Frauen e.V. und dem Buchladen Pusteblume unterstützt.

90 Menschen standen so am Goldenen Reiter mit uns gemeinsam für die Realisieriung legaler, sicherer, kostenfreier, wohnortnaher Abbruchsmöglichkeiten ein.

Goldener Reiter mit Schild "Mehr Vasektomie wagen"

Diese und viel mehr Forderungen und Informationen haben Aktivist:innen außerdem an Kleiderbügel geheftet. Kleiderbügel sind als Utensil bekannt, mit welchem Abbrüche eigenständig und unter lebensbedrohlichen Umständen von ungeschwollt Schwangeren durchgeführt werden.

An unserer Kundgebung nahm außerdem BroChoice teil.
Was er zu sagen hatte, könnt ihr hier lesen

Unsere Kundgebung wurde vor allem aber  getragen von großartigen Redebeiträgen, die ihr hier nachlesen oder nachhören könnt:

KritMed* Dresden berichteten u.A. zur mangelhaften medizinischen Ausbildung von Gynäkolog:innen.
Hier der Redebeitrag zum Nachlesen

Johanna Licht ist Referentin für Sexuelle Bildung und hat zu Schwangerschaftsberatung und Sexueller Bildung während der Covid-19-Pandemie geforscht und berichtete von ihren Ergebnissen
Hier der Beitrag zum Nachlesen

Geschäftsführerin des Landesverbandes von Pro Familia Ursula Seubert berichtete von bisher unerfüllten Forderungen, eine pro familia Beratungsstelle in Dresden zu iniitieren.

Pro Choice Sachsen ging es um den KALEB e.V. und eine zweifelhaften Preisverleihung durch die ostsächsische Sparkasse.

 

Danach hörten wir den Track von  Nina Hagen – unbeschreiblich weiblich aus den 1970er Jahren.

Ein wichtiger Fokus unserer Kundgebung war eine Perspektiverweiterung orientiert am Konzept der Reproductive Justice, vorgedacht von Loretta Ross und der Frauenorganisation Sister Song. Wir dürfen so nicht vergessen, dass es Menschen  aufgrund von Armuts- und Diskriminierungserfahrungen, Krieg oder Flucht schwer bis unmöglich ist, entsprechend ihrer Wünsche Kinder zu bekommen und aufzuziehen. Women in exile hat hierzu gesprochen.
Hier der Beitrag zum Nachlesen

Menschenrechtsaktivistin Gwendolyn Albert aus Prag sprach über ihre Unterstützung von Rom_nja in ihrem Kampf um Entschuldigung und Entschädigung für die körperlichen und psychischen  Folgen von Zwangssterilisierung.

 

Die Künstlerin und Greifswalder Referentin für Inklusion, Claudia Lohse-Jarchow berichtete aus eigener Perspektive von der Doppelmoral mit der Frauen die behindert im Bezug auf Schwangerschaftsabbruch in unserer Gesellschaft konfrontiert werden. 

 

Auch anderen Gruppen wurde historisch der Zugang zu Mutter- und Elternschaft erschwert.  Dani vom TIAM  e.V. leitete deshalb mit einer Utopischen Vorstellung im Kontext von Abbrüchen ein und benannte Belange und Bedürfnisse transgeschlechtlicher, intergeschlechtlicher und nicht binär verorteter Menschen.

 

Es folgte das Lied La Femme Fétal von Digable Planets  aus dem Album Reachin’ (A New Refutation of Time and Space) des alternativen Hip-Hop-Trios aus dem Jahr 1993. Es ist ein aufschlussreicher Kommentar zur Unterstützung der reproduktiven Rechte. Er greift männliche Politiker an, die “sich nicht wirklich um das Leben scheren/ Sie wollen nur nicht, dass eine Frau über ihren Körper bestimmen kann/ Oder das Recht haben, zu wählen”. In dem Lied werden auch die potenziell tödlichen Risiken illegaler Abtreibungen erörtert, und es bezeichnet diejenigen, die sich gegen die produktiven Rechte von Frauen stellen, als “Orwellianer” und “Faschisten”.

Die Kosmotique berichtete über die weltweite Organisierung christlich-fundamentalistischer AbtreibungsgegnerInnen.
Hier der Beitrag zum Nachlesen

Pro Choice Leipzig informierte über lokale Verstrickungen christlich-fundamentalistischer AbtreibungsgegnerInnen.
Hier der Beitrag zum Nachlesen
Zum Safe Abortion Day 2021 haben sie einen Podcast herausgebracht zu selbstorganisierten Schwangerschaftsabbrüchen in den 70er Jahren.
Hört da mal rein!

Wegen ihres Protestes gegen den so genannten Marsch für das Lebens finden seit Herbst 2020 Prozesse gegen 100 Aktivist:innen statt. Das What the Fuck Bündnis berichtete davon.

 

Auch Sarah Buddeberg Landtagsabgeordnete der Linken, die Pro Choice Sachsen viele Jahre zur Seite stand, als wir in Annaberg Buchholz gegen den christlich-fundamentalistischen Schweigemarsch protestierten, richtete Worte ans Publikum.

Es folgte ein Musiktrack von Super Star Helga “prochoiseisois”.
Wir sagen 
“Ihr gehts uns am Arsch”

 

Es folgte ein Beitrag von Claire Lanagete, die zur Repeal the 8th Kampagne aus Irland sprach.
Hier der Beitrag zum Nachlesen

In Solidarität mit ungewollt Schwangeren in Polen organisieren sich teilweise seit Jahren so genannte “Tante Barbaras” –  also Initiativen, die für Betroffene aus Polen Übernachtungsmöglichkeiten, finanzielle Unterstützung für die Fahrtkosten, Beratungstermine sowie Termine für Abtreibungen in den Nachbarstaaten von Polen organisieren. Es wurde so ein Grußwort von Ciocia Czesia aus Prag verlesen.
Hier der Beitrag zum Nachlesen

Den Abschluss bildete ein Grußwort von Ruth des feministischen Kollektivs LaRevuelta, die zur Wichtigkeit der grünen Welle (la marea verde) spricht, deren Überflutung des Landes Argentiniens brauchte, um Abtreibungen zu legalisieren.

Version mit deutscher Übersetzung

Versión española

Wir danken HOPE -fight racism für die Technik und Support am Tag, außerdem der Mangelwirtschaft und dem Biospäti für ZeltSupport.

 

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